Woher bekomme ich meinen Hamster?

Woher bekomme ich meinen Hamster?

Du kennst es vielleicht selbst: Die Entscheidung ist gefallen – du oder ihr als Familie möchtet einen Hamster halten. Doch dann stellt sich ziemlich schnell die erste Frage:

Woher bekomme ich meinen Hamster eigentlich?

Die meisten wissen: Im Zoofachhandel findet man alle möglichen Tiere – darunter auch Hamster. Für viele ist das deshalb die erste Anlaufstelle.

Doch hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, woher diese Hamster eigentlich kommen? Wie wurden sie vorher gehalten? Wie viel weiß man über ihre Herkunft und ihren Gesundheitszustand? Und ist die Beratung im Zoofachhandel wirklich immer auf eine artgerechte Hamsterhaltung ausgelegt?

Viele gehen davon aus, dass man dort nicht nur den Hamster, sondern gleichzeitig auch alles bekommt, was er für ein artgerechtes Leben benötigt.

Leider ist das nicht unbedingt der Fall.

Hamster im Zoofachhandel stammen häufig aus gewerblichen Zuchten bzw. Vermehrungsbetrieben. Für dich als Käufer ist dabei oftmals nur schwer nachvollziehbar, unter welchen Bedingungen die Tiere gezüchtet und aufgezogen wurden.

Auch über die Elterntiere und mögliche Erkrankungen in der Linie ist häufig wenig bekannt. Gerade bei unkontrollierter Vermehrung können dadurch beispielsweise erblich bedingte Erkrankungen weitergegeben werden.

Auch ein ausführlicher Gesundheitscheck oder eine Untersuchung auf Parasiten vor dem Verkauf ist nicht immer selbstverständlich.

Aber welche Alternativen gibt es?

🧡 Einen Hamster aus einer Pflegestelle adoptieren

Meine persönliche Empfehlung ist ganz klar:

Adoptiere deinen Hamster über eine Pflegestelle bzw. den Tierschutz.

Pflegestellen nehmen Hamster aus ganz unterschiedlichen Situationen auf. Das können beispielsweise Abgabetiere, Fundtiere, Tiere aus schlechter Haltung oder Hamster aus größeren Notfällen sein.

Die Tiere werden dort versorgt und ihr Gesundheitszustand wird überprüft. Je nach Pflegestelle und Situation können beispielsweise auch Untersuchungen auf Parasiten durchgeführt oder notwendige Behandlungen vorgenommen werden.

Natürlich kann dir niemand garantieren, dass ein Tier niemals krank wird. Du bekommst aber in der Regel deutlich mehr Informationen über den bisherigen und aktuellen Gesundheitszustand des Hamsters.

Und ganz nebenbei gibst du einem Tier, das bereits auf ein Zuhause wartet, eine zweite Chance. 🧡

„Aber dann sind die Hamster doch viel teurer!“

Das stimmt so nicht.

Für einen Hamster aus einer Pflegestelle zahlst du normalerweise eine Schutzgebühr. Diese liegt häufig in einem ähnlichen Bereich wie der Preis eines Hamsters im Zoofachhandel.

Dabei darf man aber nicht vergessen, was bereits alles für das Tier getan wurde.

Pflegestellen finanzieren sich größtenteils durch Schutzgebühren und Spenden – und trotzdem zahlen die Menschen dahinter häufig noch einiges aus der eigenen Tasche.

Tierarztbesuche, Medikamente, Untersuchungen, Futter, Einstreu und die gesamte Versorgung der Tiere kosten schließlich Geld.

Die Schutzgebühr ist also kein „Kaufpreis“, mit dem am Hamster verdient werden soll.

„Aber die Tiere aus Pflegestellen haben doch schlechte Verhaltensweisen!“

Diese Aussage durfte ich mir mittlerweile schon einige Male anhören.

Deshalb möchte ich dir dazu einfach meine ganz persönliche Erfahrung erzählen.

Meinen Hamster Rudi, einen Goldhamster, habe ich damals bei einer vermeintlichen „Hobbyzüchterin“ gekauft. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich es leider noch nicht besser und habe dadurch eine Vermehrerin unterstützt.

In der Beschreibung stand unter anderem, dass Rudi an die Hand gewöhnt sei.

Als er bei mir einzog, zeigte sich allerdings etwas ganz anderes: Rudi lebt sehr zurückgezogen und ich bekomme ihn bis heute nur selten zu Gesicht.

Und dann gibt es Ellie. Meine Roborowski-Hamsterdame Ellie habe ich über die Pflegestelle Hamsternest Nordwest adoptiert.

Schon von Anfang an hat sie Futter aus meiner Hand angenommen. Mittlerweile kommt sie sogar freiwillig auf meine Hand geklettert.

Und das Spannende daran? Gerade Roborowski-Hamster gelten eigentlich als besonders zurückhaltend und werden häufig deutlich weniger zutraulich als beispielsweise Goldhamster.

Natürlich sind Rudi und Ellie nur zwei einzelne Hamster und jeder Hamster hat seinen ganz eigenen Charakter.

Aber meine persönliche Erfahrung zeigt sehr deutlich:

Ein Hamster aus dem Tierschutz ist nicht automatisch scheu, schwierig oder „verhaltensgestört“.

Seine Herkunft entscheidet nicht darüber, wie zutraulich er einmal wird.

„Aber die Hamster sind doch alle schon voll alt!“

Auch das stimmt nicht.

In Pflegestellen findest du Hamster ganz unterschiedlichen Alters.

Immer wieder werden beispielsweise Hamsterweibchen aus schlechter Haltung aufgenommen, die bereits tragend sind. Die Jungtiere werden anschließend in der Pflegestelle geboren und suchen, sobald sie alt genug sind, ebenfalls ein Zuhause.

Du hast also durchaus die Möglichkeit, einen sehr jungen Hamster aus dem Tierschutz zu adoptieren.

Genauso warten dort aber auch erwachsene und ältere Hamster auf ein schönes Zuhause.

Und ganz ehrlich: Auch sie haben die Chance auf ein artgerechtes und liebevolles Zuhause verdient. 🧡

„Ich möchte aber keine 200 km bis zur Pflegestelle fahren.“

Musst du unter Umständen auch gar nicht!

Zum Glück leben wir im 21. Jahrhundert und können uns ziemlich gut vernetzen. 😄

Viele Pflegestellen arbeiten mit sogenannten Mitfahrgelegenheiten.

Dabei wird organisiert, dass dein Hamster von der Pflegestelle aus in deine Stadt oder zumindest in eine Stadt in deiner Nähe gebracht wird.

Genau so kam übrigens auch Ellie zu mir – und es hat hervorragend funktioniert!

Eine weit entfernte Pflegestelle muss also nicht automatisch bedeuten, dass eine Adoption für dich nicht infrage kommt.

„Wo finde ich denn überhaupt eine Pflegestelle?“

Es gibt mittlerweile verschiedene Hamsterhilfen und Pflegestellen in Deutschland.

Eine Übersicht findest du zum Beispiel HIER.

Du kannst anschließend direkt auf den Websites der jeweiligen Pflegestellen schauen oder sie über Social Media kontaktieren.

In meinem Fall lief der Kontakt beispielsweise über Instagram.

Viele Pflegestellen zeigen online auch direkt, welche Hamster aktuell zur Vermittlung stehen. Wenn du dich für einen Hamster interessierst, kannst du anschließend eine Vermittlungsanfrage stellen.

„Die Pflegestellen haben aber so hohe Vergabekriterien!“

Ja – Pflegestellen haben Vergabekriterien.

Und das hat einen guten Grund.

Wenn ein Hamster bereits aus schlechter Haltung gerettet wurde, soll natürlich verhindert werden, dass er erneut unter ungeeigneten Bedingungen leben muss.

Deshalb möchten Pflegestellen beispielsweise wissen, wie groß dein Gehege ist, wie du es eingerichtet hast und welche Ausstattung du deinem zukünftigen Hamster bieten kannst.

Das soll dich nicht ärgern oder dir die Adoption unnötig schwer machen.

Es soll sicherstellen, dass der Hamster in ein Zuhause zieht, in dem seine Bedürfnisse erfüllt werden.

Wenn du einen Hamster halten möchtest, solltest du deshalb bereits vor der Adoption überprüfen, ob du ihm eine artgerechte Haltung ermöglichen kannst.

👉 Hier findest du meine Checkliste, mit der du dein erstes Hamstergehege Schritt für Schritt artgerecht aufbauen kannst.

Dabei gilt:

Meine Angaben stellen das Minimum dar, das einem Hamster meiner Meinung nach zur Verfügung stehen sollte.

Denn grundsätzlich gilt: Je mehr Platz, Beschäftigungsmöglichkeiten und Abwechslung du deinem Hamster bieten kannst, desto besser.

Und was ist mit einem Hamster vom Züchter?

Neben dem Tierschutz kann auch eine wirklich seriöse und verantwortungsvolle Zucht eine Möglichkeit sein.

Dabei ist allerdings wichtig zu wissen:

Nur weil sich jemand „Hobbyzüchter“ nennt, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich um eine seriöse Zucht handelt.

Genau diesen Fehler habe ich bei Rudi selbst gemacht.

Eine verantwortungsvolle Zucht sollte transparent arbeiten. Du solltest Informationen über die Elterntiere und deren Herkunft bekommen und nachvollziehen können, unter welchen Bedingungen die Tiere leben und aufgezogen werden.

Die Tiere sollten artgerecht untergebracht sein und nicht einfach möglichst schnell oder möglichst häufig vermehrt werden.

Ein seriöser Züchter wird außerdem auch dir Fragen stellen.

Wie wird der Hamster bei dir leben? Wie groß ist das Gehege? Welche Ausstattung hast du geplant?

Wenn jemand möglichst schnell einen Hamster verkaufen möchte, keinerlei Fragen zur zukünftigen Haltung stellt und du kaum Informationen über Herkunft und Elterntiere bekommst, solltest du aufmerksam werden.

Denn zwischen einer verantwortungsvollen Zucht und einer Vermehrung liegt ein großer Unterschied.

Hier erhältst du eine Liste mit seriösen Züchtern.

Woher sollte mein Hamster also kommen?

Wenn du mich persönlich fragst, würde ich immer zuerst bei einer Pflegestelle oder Hamsterhilfe schauen.

Dort warten bereits so viele wundervolle Hamster auf ein artgerechtes Zuhause.

Sollte dort gerade kein passender Hamster auf dich warten, kann eine wirklich seriöse Zucht eine weitere Möglichkeit sein.

Vom spontanen Hamsterkauf im Zoofachhandel oder bei vermeintlichen „Hobbyzüchtern“ ohne nachvollziehbare Zucht und Herkunft würde ich hingegen abraten.

Denn egal, woher dein zukünftiger Hamster kommt:

Die Entscheidung sollte nicht damit beginnen, wo du möglichst schnell einen Hamster bekommst – sondern wo du verantwortungsvoll einem Hamster ein Zuhause geben kannst. 🧡

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